100 GraffitykünstlerInnen erschaffen eine Paper Graffity City in der Pariser Galerie Confluence. Der Hintergrund: der Stadtteil Bellevue. Ein Einblick in den Arbeitsprozeß:
Im neuen Buch von Douglas Coupland (Generation A) finde ich ein Zitat, das mir in bezug auf das gegenwärtig gehypte Storytelling wohl am treffendsten erscheint:
Terrorisiere, bedrohe und beleidige deine eigene nutzlose Generation. Plötzlich steht man für eine neue Idee, und irgendwelche Leute wollen mitmachen. Aus dem Nichts ist man wer, alle reden über einen. Mach eine Geschichte draus, die man verkaufen kann.
Coupland zitiert hier den 2010 verstorbenen britischen Künstler Malcolm McLaren.
Aus der wundersamen Bildersammlung von Eric Fischer auf flickr. Ort: Paris. Rot: Orte getagged auf Flickr Bildern. Blau: Orte von Twitter Tweets. Weiss: Orte von denen sowohl auf flickr als auch auf Twitter gepostet wird. Eine lohnenswerte Seite, auch wegen der anderen Sujets.
Cyberwar, damit wird vieles in aller Unschärfe bezeichnet, was noch lange nicht als Krieg bezeichnet werden kann. Constanze Kurz hat erst vor einigen Monaten in der FAZ darauf hingewiesen, daß die Überstrapazierung von militärischen Metaphern im Netz nicht immer zu größerer Klarheit beiträgt. Auch weil hier auf stromschnelle der Begriff des öfteren in aller Unschärfe aufgetaucht ist, wollen wir uns ihm ein wenig annähern und uns eine (verkürzte) Definition vor Augen führen:
Unter einem Netzkrieg versteht man das unerlaubte Eindringen durch eine Regierung (oder durch Akteure in deren Auftrag bzw. Unterstützung) in die Computersysteme oder Netzwerke eines anderen Staates um Daten zu ergänzen, zu verändern oder zu verfälschen oder eine Störung oder den Ausfall eines Computers oder Netwzwerkteils oder der von ihnen kontrollierten Objekte herbeizuführen.
Das Zitat stammt aus dem neuesten Buch des Beratersv on 4 US-Präsidenten, Richard A. Clarke, der einige interessante Bücher geschrieben hat, darunter auch erfolgreiche Fiction. In allen Fällen behandelt sein Ouevre Sicherheitsfragen der USA, sei es als Reaktion auf 9/11 und des internationalen Terrorismus oder in Zusammenhang mit der von ihm als prekär bezeichneten Internetsecurity des Landes. Nun liegt die 2011 bei Hoffmann und Campe erschienene Übersetzung seines 2010 erschienen Sachbuches zur Strategie des Cyberwars vor. Der deutsche Titel ist wie so oft unpräzise und ein wenig dümmlich: "World Wide Ware. Angriffe aus dem Internet." Im Amerikanischen heißt es da noch viel präziser "Cyber War. The next Threat to National Security and what to Do against it." Doch wir wollen nicht an den Marketingdummheiten des deutschen Sachbuchhandels herummäkeln, sondern uns den Inhalten zuwenden.
Auf mehr als 300 Seiten entwickelt Clarke ein Argumentarium für die Ausarbeitung einer Cyberwar Verteidigungs- und Angriffsstrategie der USA und doch: es ist ein Buch, das vor allem die allgegenwärtigen Möglichkeiten gezielter Angriffe aus dem Internet auf die nationale Sicherheit von Staaten behandelt. Ausführlich beschreibt er internationale Vorfälle, die er als Probeläufe von Cyberkriegen bezeichnet, etwa die Infiltrierung der syrischen Luftabwehr im Vorfeld des israelischen Luftangriffs auf eine Nuklearanlage 2007 oder die virtuellen Vorbereitungen der USA im Rahmen der Invasion des Irak. In beiden Fällen handelte es sich um die Vorbereitung sgn. kinetischer Kriege durch die Lahmlegung der Computersysteme angegriffener Staaten. Doch auch die rein virtuelle Kriegsführung wird immer mehr zur Realität: die DDoS Blockade estnischer Server 2007 bzw. jener in Südkorea oder der Computervirus Stuxnet in Steuerungsanlagen von Siemens im Iran 2010 sind Beispiele dafür.
Aus diesen und anderen Beispielen ergibt sich für Clarke schlüssig: (1) Der Netzkrieg ist eine Realität, wenngleich bislang bekanntgewordene Attacken als primitive Spielarten anzusehen sind; (2) entsprechende Attacken vollziehen sich in Höchstgeschwindigkeit mit kaum ausreichenden Zeitspannen für angemessene Reaktionen; (3) aufgrund der Abhängigkeit der Server untereinander nimmt ein Cyberkrieg rasch Weltmaßstäbe ein; (4) Cyberkriege sind imstande, militärische Verteidigungsanlagen "überspringen" zu können und treffen gezielt zivile/private Infrastrukturen und Diensleistungssysteme; (5) es ist davon auszugehen, dass im Cyberkrieg die Grenze zwischen Krieg und Frieden verschwimmt, indem bereits logische Bomben vorsorglich in Systeme gelegt wurden.
Österreich: zwei Parteiserver gehackt, nun auch die ORF Gebührenstelle GIS. Ist Häme angebracht?
Eigentlich ist es wenig überraschend, dass gesellschaftliche und politische Konflikte IM und ÜBER das NETZ ausgetragen werden. Jeder, auch schon halbwüchsige Gamer weiss das. Wer sich beispielsweise je an Secondlife versucht hat, wird wissen, wie sehr das Chaos geldgetriebener Individuen zur Zerstörung und Verödung virtueller Landschaften führt. Nachdem die Horden der Abzocker und Geschäftemacher die sich kreativ gebende Community und deren Grid verwüstet haben, herrscht nun die Einsamkeit der Ernüchterung. Secondlife ist tot. Die virtuelle Welt ist wie die reale: um keinen Deut besser. Nur vereinzelt stehen in SL noch Tempel der Kultur in leeren, kalten Landschaften, konstruktiv verzweifelt beäugt von einer kleinen Minderheit. Die Karawane der Cyborgs zieht den ruhelosen Investoren nach wie die berühmte Heuschreckenplage dem Bösen. Doch das Böse ist System, VR und RL, beide bilden einander auf verquere Weise ab. Mehr und mehr Segmente des Netzes werden verbraucht, instrumentalisiert, ökonomisiert und verriegelt.
Doch das Internet ist kein Spiel: vergessen wir nicht, dass es ein Kind militärischer Forschungen in den Fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ist. In der Zeit danach ereignete sich viel an Hoffnung, viel an Kapitalakkumulation und noch mehr an Enttäuschung über die betrogene Utopie virtueller Freiheit und Demokratie. Das Jahr 2011 vermittelt nun einen ersten Eindruck von dem, mit dem wir unzweifelhaft zu rechnen haben: dem Krieg und Weltkonflikt mit elektronischen Mitteln. Kein Platz für Fluchtbewegungen, so scheint es. Die Gefahr durchzieht auch unsere neuronalen Bahnen, denn Cyborgs sind wir längst, gewohnt an Dinge, die wir erst unzureichend reflektiert haben. Wie meint die Cyborg-Anthropologin Amber Case:
Sie sind Cyborgs jedesmal dann, wenn Sie auf einen Computerbildschirm starren,oder ein Handy verwenden.
Tun wir also nicht so, als ob das Internet das Andere außerhalb von uns sei. Es ist in und mit uns, wir sind es. Im Übrigen: Das Internet hat seine Unschuld nie besessen und nun auch die Romantik seiner Pionierzeit verloren. Während ständig übermüdete Cyber - Apologeten noch immer ihre naiv-nerdigen Freiheitsjünger belehren, bedient eine Phalanx von Social Media Unternehmen das hübsche Bild vom Frei - Miteinander - Kommunizieren: "Ego te absolvo! Sorge dich nicht." In Wirklichkeit haben es alle nur auf unsere Daten abgesehen. Dass FB "Freundes" kreise sich längst schon dümmlich perfide Werbung zum abendlichen Austausch einladen, ist mittlerweise selbstverständlich. Daneben wird von Staaten der virtuelle Krieg Schritt für Schritt und gar nicht heimlich ressourcenmäßig in Szenarien aufgesetzt.. Militärstäbe werden zu diesem Zwecke allerorten eingerichtet, offiziell nicht zum Angriff sondern allein zur Abwehr des Bösen aus dem Netz. An der Wirtschaftsfront zocken Cyberkriminelle unsere Kreditkarten ab, setzen uns Cookies in den Pelz und horchen Kaufverhalten ab. Cybergeeks spielen sich als Rächer der Enterbten auf und üben Alibigerechtigkeit auf IRC Basis. Sie spielen mit der Anonymität und sind doch nur namenlos. Wikileaks tropft vor sich hin, zur Ehre des Helden Julian Assange im Gedenken an den bereits verheizten Bradley Manning; angezapfte Telefone leaken in Verfolg von Murdochs Medienlogik, der die Privatsphäre seiner LeserInnen keinen Heller wert ist. Da macht Anonymus schon mal ne Ausnahme von der Regel, nie, ja niemals Medien anzugreifen. Jugendliche mobben einander in Schülernetzen, Lehrer dienen sich im Netz als Freunde an. Staaten üben den Datengau im Stil von ELENA und Vorratsdatenspeicherung. Zwischen alledem wir Blogger, die sich schutzlos und freiwillig im Netz verewigen, von re:publica träumen und manchmal die arabischen Revolutionen als Folge von Internetdemokratie betrügen.
Datensicherheit und Datenmissbrauch als bürgerliche Themen: sie sind nicht mehr als zwei Seiten einer Medaille. Gut und Böse fließen ineinander. Algorythmen sind jetzt das neue Kapital des Kapitals. Regierungen geben sich empört ob der unkontrollierbaren DDos Attacken und speichern schamlos die Daten ihrer WählerInnen mit dem Hinweis auf internationalen Terrorismus. Und der durchschnittliche User ist letztendlich dumm genug, sich und seine Daten bloßzustellen. Das ist wohl auch den SystemadministratorInnen und Netzverantwortlichen von SPOE-FPOE-GIS anzulasten: dass sie ihre Server nicht zu schützen wissen vor all denen, die sich ein wenig auskennen im Cyberwar. Die einen rauben und stellen das bloß, was die anderen nicht zu schützen wissen und manche auch gern verhökern würden, ließe man sie bloß.
Die Welt ist schlecht, ja, ja. Wäre sie nur ein wenig intelligenter, könnte viel bewirkt werden. Was also tun? Lesen und Zuhören wäre ein Anfang und jene Informationen nutzen, die das Web de facto noch zu bieten hat. Sich rüsten mit Wissen wär gar nicht so schlecht. Überhaupt: AnthropologInnen scheinen nun en vogue bei der Beforschung der gefährlichen Wilden im Netz. Doch Vorsicht, ganz leicht kann man selbst zum Opfer der Erkenntnis werden:
Seit gestern abend ist ein kleiner Button am Ente meiner Beiträge eingebunden, er verweist auf flattr, eine Initiative, die sich auch ihre Weise dem crowdfunding bzw. social micropayment verschrieben hat.
Das funktioniert so: sich bei flattr informieren und bei Gefallen einloggen, um als Mitglied einen kleinen monatlichen Betrag zahlen. Dann den Button in sein Blog einbinden. Wer beispielsweise auf den Flattr Button unter diesem Beitrag klickt, schreibt damit einen kleinen Betrag auf mein flattr Konto gut. Die Höhe des finanziellen Beitrags bemißt sich a) daran, wieviel der freundliche Spender als monatlichen Betrag auf flattr überwiesen hat und (b) daran, auf wieviele Buttons er/sie insgesamt auf seinen/ihren Streifzügen per Monat schon geklickt hat. Da kommen pro Monat allerhöchstens ein paar bescheidene Kröten zusammen, aber es macht Spaß und zeigt ein wenig monetäre Wertschätzung für Inhalte, die sonst im Web frei verfügbar sind.
Der Button ist auf den bisher angebotenen Posterous Templates nicht standardmäßig eingebunden, daher ein kleine Anleitung:
1. Öffne auf deinem Posterous Blog settings>edit theme>advanced
2. Im oberen Fensterabschnitt erscheint ein kleines Fenster mit dem Custom HTML Code, das sich durch Kllicken auf Expand vergrößern läßt.
3. Suche jenen Abschnitt des Codes, der mit {block:Sharing} beginnt, und in dem der Twitter bzw. Facebook Button angesprochen wird.
Stromschnelle: Bezeichnung für einen Teil eines Flusses, an dem das Wasser sehr reißend und schnell fließt. Sie wird typischerweise durch eine Zunahme des Gefälles des Flusses gebildet. Häufig spielt auch eine Verengung durch Felsblöcke oder Wehre eine Rolle (Wikipedia).